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Meditation - Ihr seid ein Brief Christi

Es war Fasching.
Auch bei uns an der Schule gab es viele verschiedene Kostümierungen.
Man spielt verschiedene Rollen –
nicht nur im Fasching:
Du bist

  • Sohn bzw. Tochter
  • in erster Linie Mensch
  • aber hier sehr bald Schüler bzw. Schülerin
  • der, der bereitwillig oder widerwillig die Hausaufgabe abschreiben lässt
  • die, die bei Arbeiten das Geschriebene zu deckt, damit man nicht abschreiben kann
  • der oder die, welche sich abmüht und plagt
  • der oder die, welche beneidet wird, bewundert wird
  • Sunnyboy
  • Computerfreak

Im Sommer blieb ein Satz in meinen Gedanken hängen: "Ihr seid ein Brief Christi".
Ein "Brief" sein – auch eine Rolle?!
Ungewöhnlich! Der Mensch als Brief – als Brief Christi.

Ein Brief ist etwas, was uns allen bekannt ist, nichts Ungewöhnliches.
Trotzdem gehe ich manchmal mit Spannung zum Briefkasten:
Wird Post da sein?
Von wem?
Was wird im Brief drin stehen?
Die Spannung kann positiv, freudig oder aber auch negativ, unangenehm sein.

Mit welcher Spannung "liest" man uns "Briefe", uns "Briefe Christi"?

Was kann man von uns Christen "ab-lesen"?

Man weiß, dass Christen getauft sind. Aber das sieht man uns nicht unbedingt an.
Den Taufschein sieht man nicht.
Zunächst sieht man wohl das Äußerliche, z. B. ein umgehängtes Kreuz.
Was sagt es? Was kann man davon ablesen? Kann man davon etwas ableiten?
Ist es nur ein Schmuckstück oder ist es ein Symbol, das man sich bewusst trägt?

Wenn man einen Gottesdienst besucht, wird man gesehen.
Aber was, wie viel kann man davon wirklich ablesen?

In welchen Situationen können uns unsere Mitmenschen als "Briefe Christi" lesen, erkennen?In Alltagssituationen – entsprechend unserem Verhalten – im Geist Jesu:

  • wenn wir für andere Zeit haben
  • wenn wir zuhören
  • wenn wir jemandem Freude machen, z. B. einen Brief schreiben (nur um ein Zeichen zu geben, dass man an den anderen denkt oder um sich ausführlich, eingehend mit dem anderen zu beschäftigen, sich mit ihm auseinanderzusetzen), ihn einladen, anrufen …
  • wenn wir uns um Außenseiter bemühen
  • wenn wir Entmutigten neue Perspektiven aufzuzeigen versuchen
  • wenn wir Andersaussehenden, Andersdenkenden gegenüber tolerant und aufgeschlossen sind
  • wenn wir auf andere zu gehen und nicht denken, da sind noch andere da, die das tun können
  • wenn wir handeln wie der barmherzige Samariter, der zwar ein "Falschgläubiger" war, aber nicht nach Vorschriften fragte, sondern zum Wohl des Nächsten handelte

Briefe sind da, um gelesen zu werden.
Es tut beiden Seiten gut, wenn es sich um einen guten, einen erfreulichen, schönen Brief handelt.

Es gibt auch weniger erfreuliche oder unangenehme Briefe.
Manchmal sind auch wir solche "unangenehme Briefe" – wenig oder gar nicht als "Brief Christi" zu erkennen:

  • wenn wir uns für andere keine Zeit nehmen, obwohl es sich einrichten ließe
  • wenn wir ungeduldig oder schnell entnervt sind
  • wenn wir den anderen nicht ernst nehmen, nicht achten, mit ihm nicht achtsam umgehen
  • wenn wir nicht im Sinne Jesu handeln.
Es ist gut, wenn man einen Brief noch mal "Korrektur liest", bevor man ihn abschickt.
Manchmal überliest man seine eigenen Fehler, hat keinen Blick dafür.
Die Fastenzeit bietet uns die Chance:
  • genauer hinzusehen
  • Fehler bei uns zu suchen
  • über uns und unsere Gewohnheiten nachzudenken
  • möglicherweise Fehler, Fehlverhalten zu korrigieren zu versuchen,

damit unsere Mitmenschen – egal ob Christen oder nicht – uns wirklich als "Brief Christi" lesen und erkennen können.