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Quaero

Topfschlagen, eine Toncollage aus Interviews mit Passanten, das Leben des Siddharta: Die Vorschläge für den Kunstwettbewerb GottSUCHERleben der kirchlichen Gemeinden Freisings anlässlich des Weltjugendtags im August 2005, an dem unsere Klasse 9 b/c und die Religionslehrerin Frau Rebbe-Gnädinger teilnahmen, waren zahlreich. Am Ende fiel unsere Entscheidung auf einen Kurzfilm, der zum Nachdenken anregen sollte.

Zwölf Personen sitzen zusammengekauert auf dem Boden in der Aula. Vor jedem liegt ein großes Puzzleteil, dessen Vorderseite als Collage unterschiedlich gestaltet ist: Puzzleteile mit Situationen, in denen der Mensch die Frage nach Gott stellt; Situationen, in denen Gottes Allmacht und Größe, aber auch seine Unfassbarkeit spürbar werden. Die Collage setzt sich aus Bildern, Fotos, Texten aus Zeitungen und Zeitschriften zusammen, die in dieser Verschiedenheit einen Eindruck von unserer gegenwärtigen Zeit geben. Thematische Schwerpunkte sind: Persönliche Schicksale, Arbeit & Arbeitslosigkeit, Leistung, Familie & Freundschaft, Feste, Kirche, Weltreligionen, Forschung & Technik, Schöpfung, Naturkatastrophen, Drogen und Gewalt. Die einzelnen Puzzleteile stehen dafür, dass menschliches Erleben und Erkennen - auch in Bezug auf die Gottesfrage - immer bruchstückhaft bleibt.

Die Eingangssituation ist in kaltes blaues Licht getaucht und erinnert an den Anfang der Schöpfungsgeschichte, als "Finsternis (...) über der Urflut" lag (Gen 1,2). Es gerät Bewegung in die Personengruppe. Einer nach dem anderen nimmt sein Puzzleteil, geht zur Mitte, legt es dort ab und setzt sich wieder auf seinen Platz. Je nach Situation wechselt das Licht von eher kalten Tönen (Blau, Violett) zu eher warmen Tönen (Grün, Gelb, Rot). Es sind zwölf Puzzleteile. Zwölf ist die Zahl der Vollkommenheit: Tag und Nacht, ebenso das Jahr, werden in 12 Strukturelemente unterteilt. In der jüdischen Geschichte verstand sich das Volk als Gemeinschaft von 12 Stämmen, die auf die 12 Söhne Jakobs zurückführen. Jesus wählte 12 Apostel, die Symbol der Kirche sind.

Nachdem alle Puzzleteile zu einer Kreisscheibe zusammengefügt worden sind, gehen die Personen aufeinander zu und fassen einander an den Händen. Mit dem Kreis ist die Vorstellung der Mitte verbunden. Im mythischen Denken der Völker galt die Mitte als jener Ort, der die Erde mit dem Himmel verbindet. In der Mitte der Kreisscheibe, die die Personengruppe umstellt, ist eine Taube zu sehen. Die Taube ist Symbol des Friedens. "Frieden" bedeutet im Hebräischen "Schalom", das auch für "Fülle des Lebens", "Einklang" und "Stimmigkeit" steht. "Schalom" bezeichnet den Zustand der Welt und des Menschen so, wie sie bzw. er sein soll. Die Taube ist auch Sinnbild des Heiligen Geistes, der Bewegung und Erneuerung verheißt. Unter diesem Zuspruch wird aus der Vereinzelung des Menschen Gemeinschaft. Im Schlussbild heben alle die Hände und schauen nach oben, während die dunklen und kalten Farben der Eingangssituation sich auflösen in helle und warme Farben. Dies ist Ausdruck dafür, dass menschliches Suchen und (Er-)Leben der Transzendenz bedarf, um ganz zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zur Welt zu finden.

Die Dreharbeiten am letzten Tag vor den Osterferien begannen mit Anbruch der Dämmerung. Zwei Kollegiaten vom AK Technik – Robert Hagemann und Sophie Wansleben – hatten bereits am Nachmittag sämtliche Scheinwerfer und die Musikanlage aufgebaut, um für uns optimale Drehbedingungen in der Aula zu schaffen. Nachdem die Darsteller auf dem Boden der Aula Platz genommen hatten, wurden die verschiedenen Spotlights eingestellt und Franz Bernack und Christoph Nitschke suchten nach den geeignetsten Kamerapositionen. Immer wieder passte etwas nicht und mit der Zeit konnte keiner der am Boden Sitzenden mehr richtig ruhig halten, weil der Boden unangenehm kalt und vor allem hart war. Nach zwei Probedurchläufen ("nicht zupfen!") und dem zunehmenden Druck bald fertig zu werden, da schon lang ausgemachte Abendveranstaltungen warteten, wurde es ernst und der Dreh konnte beginnen. In der inzwischen dunklen Aula kamen dabei die Farben besonders gut zur Geltung. Zwei Stunden später verließen wir mit gemischten Gefühlen die Schule. Die meisten von uns hatten sich die filmische Umsetzung ganz anders vorgestellt, als sie jetzt geworden zu sein schien, und waren wohl ein wenig enttäuscht. Und wir fragten uns alle – hat der Film überhaupt eine Aussage für denjenigen, der nicht an der Entstehung beteiligt war, und ihn sieht? Aber da die Dreharbeiten abgeschlossen waren, blieb uns nichts anderes übrig als abzuwarten. Die Szenen mussten "nur" noch zu dem fertigen Film zusammengeschnitten werden. Diese langwierige Arbeit des Technikers und Editors nahm Franz Bernack auf sich, dem es nach beinahe unzähligen Besuchen bei kompetenten Freunden schließlich gelang den Film überhaupt bearbeitungsfähig zu machen. Das Schneiden selbst brachte einen ebenso hohen zeitlichen Aufwand mit sich, wurde jedoch von Franz als interessant und fordernd eingestuft– "eine Erfahrung fürs Leben". Dann, nach den Ferien, war es soweit: In einer Religionsstunde sahen wir den Film und waren positiv überrascht. Professionell geschnitten und mit passender Musik untermalt war er viel besser geworden, als wir nach dem Dreh gedacht hatten.

Der Film trägt den lateinischen Titel "Quaero"- zu übersetzen mit "suchen", "fragen", "zu erfahren suchen", "gewinnen", "vermissen". Diese verschiedenen Bedeutungskomponenten spiegeln das wider, was den Menschen in seinem "GottSUCHERleben" bestimmt.

"Quaero" ist ein Projekt geworden, das die Ideen einer ganzen Klasse zusammenfasst. Auch wenn es während der Entstehung immer wieder Zweifel gab, wurde es am Ende doch eine bemerkenswerte Arbeit. Und auch wenn wir beim Wettbewerb nicht unter den Erstplazierten sein sollten: Es hat Spaß gemacht, und der eine oder andere hat doch etwas gewonnen, ob vielleicht neue Einsichten oder auch für sich selbst eine Antwort auf die Frage, um die sich das Projekt drehte: "Suche ich Gott?"

Melanie Fischer, 9b
Stephanie Rebbe-Gnädinger