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St.Georg Retabel

Besuch der Stadtpfarrkirche St. Georg
Nachdem die verschiedenen Baustile im Unterricht behandelt worden waren und die Klasse 5ae eine Führung durch die Ausstellung „Asam in Freising“ erhalten hatte, besuchten wir die Stadtpfarrkirche St. Georg in Freisings Altstadt. Zunächst hielten wir einfach Stille im Raum und ließen diesen auf uns wirken. Anschließend sollten die Schüler das zuvor im Unterricht besprochene Inventar bestimmen. Spannend war die Erschließung der Retabel aus unterschiedlichen Perspektiven. Im Altarraum angelangt, setzten wir uns in den kleinen, vom Kirchenschiff aus nicht einsehbaren Meditationsbereich zwischen Auferstehungsfenster und Retabel. Abschließend wählten die Kinder einen von ihnen ausgewählten Platz im Kirchenraum für ihr persönliches Beten.

Altarraumgestaltung St. Georg, Freising
St. Georg in Freising ist eine spätgotische Hallenkirche, deren neogotische Ausgestaltung in den 1950er Jahren komplett entfernt wurde. Durch den fehlenden Hochaltar verlor das Presbyterium seinen Abschluss. Das in den 1970er Jahren installierte Auferstehungsfenster aus buntem Glas konnte diese Aufgabe räumlich genauso wenig übernehmen wie die Chororgel.
Re-tabel bedeutet: hinter dem Altar. In der Tradition bildeten Schnitzwerke, Tafelbilder oder Gobelins diesen Hintergrund. Ziel und Aufgabe der Arbeit war, den Altarraum räumlich zu fassen, der Liturgie eine ruhige, feierliche Umrahmung zu geben, die Vergangenheit dieses Gotteshauses zu achten und eine Vision für die Zukunft zu schaffen.
Den Abschluss des Altarraumes bildet nun eine transparente, goldfarbene Wand. Über 200 liegende Hohlprofile aus Tombak wurden mit nach oben zunehmendem Abstand übereinander geschichtet und erzeugen eine große, lichtdurchlässige Projektionsfläche. Auf dieser Fläche erscheint als Zitat an die Vergangenheit der Kirche unaufdringlich der alte Hochaltar.
Eine Fotografie des neugotischen Hochaltars wurde hierfür digital aufbereitet, vergrößert, punktgerastert und auf die Stirnseiten der Metalllamellen geätzt. So wird eine Ahnung des Vergangenen erzeugt, ohne das Original platt abzubilden oder zu imitieren. Der alte Hochaltar erfährt eine Umsetzung in die Fläche, wird zeilenartig aufgelöst und steht mit neuer, unaufdringlicher Präsenz beeindruckend groß im Hintergrund des Chorraumes.
Aus unterschiedlichen Blickwinkeln treten im leisen Spiel mit dem Licht viele Nuancen und immer andere Partien des Hochaltars deutlich hervor. Aus den Seitenschiffen sind auch untertags, wenn das Lichtspiel im Vordergrund steht, viele Einzelheiten klar erkennbar.
Die Fläche der Retabel ist durch die Art der Schichtung nicht geschlossen; sie wird deshalb von dem Farbspiel des dahinter liegenden Auferstehungsfensters durchdrungen. Von je her spielt das Licht in sakralen Räumen eine große Rolle. Es ändert sich stetig, macht Tages- und Jahreszeiten ablesbar. Glasfenster leben vom Tageslicht und erfüllen den raum mit ihrer Farbigkeit. Die Retabel nimmt dieses Farbspiel auf, reflektiert es vielfältig und gibt dem Raum Ruhe. Aus Transparenz wird Transzendenz, meditative Stille und Mystik.
Die Retabel braucht die Annäherung, die Vertiefung der Betrachtung und Bewegung. Sie erschließt sich sozusagen schrittweise. Die liturgischen Orte in der Kirche haben ihren festen Platz. Nur durch das Ändern seines Standpunkts erhält der Betrachter immer wieder neue Erkenntnisse. Je mehr man sich dem Altar nähert, desto mehr schließt sich die Fläche. Das durchscheinende Auferstehungsfenster tritt zurück. Gleichzeitig rückt die Ätzung in den Vordergrund.
Die Kirche zeigt sich heute in renovierter Form. Als Wegekirche konzipiert, ist nun wieder ein ungestörter Umgang möglich. Durch die Transparenz der Retabel entstehen an den Seitenaltären vom Hl. Nikolaus und der Pietà sowie vor dem Epitaph helle Orte des Verweilens. Der Altar wurde ins Zentrum des Presbyteriums gesetzt, die alte Altarplatte, die die Reliquien beherbergt wurde zum Stipes des neuen Altars. Im Ambo finden sich die vier Evangelisten. Der Tabernakel erhielt seinen eigenen Raum im südlichen Seitenschiff. Eine Stele im Hintergrund gibt ihm den nötigen Umgriff. Die Bänke fügen sich in ihrer Gestaltung unaufdringlich in die Gesamtkonzeption.
Respektvoller Umgang mit der Substanz und eine klare Ablesbarkeit des Neuen sind die wesentlichen Gestaltungsmerkmale.