„Wenn Steine sprechen könnten“


Der Termin für die Eröffnung der Ausstellung „Wenn Steine sprechen könnten“ war mit Bedacht gewählt worden: Am frühen Abend des 27. Januars 2019 versammelten sich Schüler, Lehrer und Eltern, Freisinger Bürger sowie hochrangige Vertreter aus Politik, Kultur und Religion in der Aula des Dom-Gymnasiums, um gemeinsam der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken und an sie zu erinnern; im Mittelpunkt standen dabei jene 15 Freisinger Bürgerinnen und Bürger jüdischen Bekenntnisses, deren Biographien das P-Seminar Geschichte des Dom-Gymnasiums nachgezeichnet und für die Ausstellung aufbereitet hatte.
Der 27. Januar ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der seit 23 Jahren ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag ist und sich auf den Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs bezieht. 2005 wurde er von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erklärt.
Eineinhalb Stunden herrschte in der Aula des Dom-Gymnasiums Freising eine konzentrierte Stille, in die hinein Musik und Worte die Besucher zum Lauschen und zum Nachdenken brachten. Verbunden in dem Anliegen, sich mit aller Kraft für das „Nie wieder!“ einzusetzen, sprachen Oberstudiendirektor Manfred Röder, Landrat Josef Hauner und Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sowie Ludwig Spaenle, der Beauftragte der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe.
Eine besondere Ehre war das Kommen von Charlotte Knobloch, der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sichtlich berührt von den zuvor gesprochenen Grußworten dankte sie den Schülerinnen und Schülern des P-Seminars Geschichte sowie Julia Christof und Torsten Krauß für die Erarbeitung der Ausstellung. Angesichts der Tatsache, einer Zeit entgegenzusehen, in der es keine Zeitzeugen mehr geben wird, und ebenfalls niemanden mehr, der Schuld trägt an den Gräueltaten des Nationalsozialismus, betonte sie die bleibende Verantwortung dafür, dass sich die Schrecknisse in der Zukunft nicht wiederholen. In einer Zeit, in der Freiheit, Offenheit, Demokratie und Toleranz in Gesellschaft und Politik zunehmend unter Beschuss geraten, verwies sie auf die Dringlichkeit, dem Vergessen entgegenzuwirken und einen Beitrag zum aufrichtigen Gedenken und Erinnern zu leisten. Sie würdigte das Konzept der Ausstellung, in der die Freisinger Jüdinnen und Juden nicht nur in ihrem Leid als Opfer des Nationalsozialismus gezeigt werden, sondern auch in ihrer glücklichen Zeit vor 1933, als sie selbstverständliche Mitglieder der Gesellschaft waren. Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern übergab den „Stab der Erinnerung“ an die Schülerinnen und Schüler des Dom-Gymnasiums und äußerte ihre Freude darüber, dass diese die damit verbundene Aufgabe bestens erfüllt haben.  
Kilian Fetsch und Paulina Gastl (Q12) nannten es eine Herzensangelegenheit, die Ausstellung „Wenn Steine sprechen könnten“ auch in der Schule zu zeigen. Die Beschäftigung mit Personen, die sie unmittelbar betreffen, bewirke mehr als die Kenntnisnahme abstrakter Zahlen. Ein besonderer Moment war, als sie die Juden Siegfried und Martin Holzer erwähnten, die beide exzellente Schüler des Dom-Gymnasiums gewesen waren und von denen einer im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz umgebracht worden war. Durch das Aussprechen ihrer Namen und das Erzählen ihrer Geschichte auf den Plakatwänden der Ausstellung wurden diese für die Schülerinnen und Schüler wieder Teil der Schulgemeinschaft.
Die von Martin Matos Mendoza auf dem Violoncello zu Gehör gebrachten Werke aus dem 19. und 20. Jahrhundert, einfühlsam begleitet von Mihaela Rogojan auf dem Klavier, trugen dazu bei, dass die Besucher die gehörten und auf den Plakatwänden der Ausstellung gelesenen Worte in einer Atmosphäre der Ernsthaftigkeit auf sich wirken lassen konnten. Die von einem Elternteam unter der Leitung von Dr. Marion Thuro angebotenen Speisen und Getränke förderten nach Ausstellungseröffnung den lebendigen Austausch der Besucher untereinander, deren zahlreiches Erscheinen die Schülerinnen und Schüler des P-Seminars Geschichte erstaunt und erfreut wahrgenommen hatten. So leistete der Abend des 27. Januars 2019 einen eindrucksvollen Beitrag für das „Nie wieder!“

 

 

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